Am 4. April 2006. Mehmet Kubaşık stirbt durch 2 Kugeln in den Kopf. Jahrelang ermitteln die Behörden in die falsche Richtung, verdächtigen nicht nur die Ehefrau und seine 3 Kinder des Mordes, sondern auch Kubaşık selbst, in Drogengeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Bis heute kämpft seine Tochter Gamze Kubaşık mit endlosem Mut und Durchhaltevermögen für Aufklärung und Gerechtigkeit für ihren Vater. Dass der Staat jahrelang eine rechte Terrororganisation übersehen hat, lässt uns fassungslos zurück. Mehmet Kubaşık stirbt dank Staatsversagen bei einer rassistisch motivierten Tat durch die Hände des NSU und als Antwort verweigert der Staat der Familie jegliche Unterstützung. Für uns aber bleibt die Tat für immer unvergessen.
Da die alevitische Familie in der Türkei verfolgt wurde, kamen sie 1991 nach Deutschland. Dortmund fühlte sich für sie nach Heimat an, weshalb die Familie Kubaşık 2003 die deutsche Staatsbürgerschaft annahm. 2004 eröffnete Mehmet Kubaşık seinen Kiosk in der Dortmunder Nordstadt, in dem er 2006 durch den NSU erschossen wurde. Er war das achte Opfer der rassistischen und rechtsextremen Mordserie.
Die anschließenden Ermittlungen und die Berichterstattung waren von rassistischen Vorurteilen gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen geprägt. Ein rechtes Tatmotiv, wie es die Hinterbliebenen früh vermuteten, wurde durch die Behörden – trotz zahlreicher V-Personen im Umfeld der Rechtsterrorist*innen – weitgehend ausgeschlossen. Jahrelang waren die Behörden auf der Suche nach Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Trotz Hausdurchsuchungen, Fahndungen, V-Personen und belastendem Videomaterial wurde der NSU nicht als rechtsextreme Terrororganisation erkannt. Erst die Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 änderte das.
Die Morde und die daraus resultierenden Untersuchungen sind auch aus einer klassenkämpferischen Perspektive relevant. Es zeigte sich deutlich, dass der Staat, inklusive Polizei, Justiz und Verfassungsschutz nicht daran interessiert ist, unsere Klasse zu schützen. Im Gegenteil. Sie wirkt aktiv gegen unsere Klasse. Ein unschuldiger Mensch wie Mehmet Kubaşık wird von Nazis ermordet und der Staat schaut nicht nur weg, sondern ist -wie später herauskommt- mutmaßlich in die Taten involviert. Statt Aufklärung folgt 2011 die Schredder-Affäre und es herrscht ein Schweigen, das bis heute anhält. Und noch dazu kriminalisiert der deutsche Staat die Familie von Kubaşık ohne irgendwelche Anhaltspunkte. Auch nachdem mehrfach „Fehler“ innerhalb der Ermittlungen festgestellt wurden, schützen sich die involvierten Institutionen gegenseitig. Dies beweist, das die BRD nicht an der Aufklärung der Morde, sondern an der Durchsetzung der eigenen Narrative interessiert war, ist und immer sein wird. Und was blieb übrig? Kämpfende, von institutionellen Rassismus betroffene Familien, die alle ein geliebtes Familienmitglied verloren haben. Dieser Staat, von dem sich einige der Betroffenen ein besseres Leben versprochen haben, ist an diesem Leid Mitschuld. Und niemand ist daran interessiert dieses Leid zu mindern. Auch 20 Jahre später nicht.
In Dortmund erinnern am „Tag der Solidarität“ seit 14 Jahren jedes Jahr Angehörige und ihre Unterstützer*innen an den Mord, seine Folgen und die weiterhin bohrenden Fragen nach den Hintergründen der Tat. Wir als OAT möchten unsere Solidarität mit den Familien und Opfern auszudrücken und rufen deshalb dazu auf, am 04.04.2026 um 15:00 Uhr an die Mallinckrodtstr. 190 zu kommen, um denen zuzuhören, die vom Staat noch immer nicht beachtet werden.